Tory Island

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Ein Unikat unter den irischen Inseln ist Tory Island: nicht nur ist sie eine der nordwestlichsten noch bewohnten Inseln Europas und so klein, dass sie auf jeden Panoramaschnappschuss passt, sondern obendrein auch noch Heimat des letzten verbliebenen Königs Irlands. Dass das heute nur noch ein rein formaler Titel ist, stört die Inselbewohner nicht im Geringsten. Patsy Dan Rogers, der amtierende Monarch Tory Islands, ist vorderster Geschichtenerzähler und Musiker des Eilands und bemüht sich in täglicher Routine darum, alle auf der Insel ankommenden Touristen persönlich zu begrüßen. Den Erzählungen nach ist er dabei zwar nicht immer pünktlich, die Fähren sind es aber in der Regel schon: zwei Mal täglich begeben sie sich von Donegals Küste aus nach Tory Island und zurück. Die einstündige Überfahrt gilt als rau und ungestüm, entlohnt aber mit dem unvergesslichen Besuch einer der interessantesten Inseln des Landes.
Tory Island ist etwa 4 Kilometer lang und nur etwa einen Kilometer breit. Dementsprechend leicht lässt sich das Eiland auch innerhalb eines Tages erkunden – sollte man jedoch die viel gerühmte Gastfreundschaft und Redseligkeit der Inselbewohner oder vielleicht sogar deren König persönlich kennenlernen wollen, so empfiehlt es sich, zumindest eine Nacht auf der Insel zu verbringen. Eine frühzeitige Buchung der Unterkunft ist jedoch ratsam: die Anzahl der verfügbaren Betten auf der Insel ist eher begrenzt.
Zu den beliebtesten Attraktionen Tory Islands zählt die zerklüftete Klippenlandschaft mit dem einstigen Piratenfort Dun Bhaleoir an der Ostküste der Insel und das berühmte Tau-Kreuz in dessen Hafen. Zudem ist Tory Island für seine reiche Vielfalt an Vogelarten bekannt, darunter Papageientaucher, Basstölpel und Austernfischer. Das Gälische spielt auch hier noch eine wichtige Rolle im Alltagsleben der Menschen: auf Tory Island wird bevorzugt auf Irisch geredet, getanzt und gesungen, und die keltische Folklore ist so lebendig wie eh und je. Auch Künstler zieht es immer wieder auf das kleine Eiland im hohen Norden. Die Kunstrichtung, die hier ihren Ursprung hatte und sich längst internationaler Bekanntheit erfreut, nennt sich „primitive art“ und hat vor allem die malerischen Küstengebiete Tory Islands zu ihrem Hauptmotiv erwählt.
Ganz gleich, ob Sie selbst die Pinsel schwingen oder einfach nur die Seele baumeln lassen wollen - auf Tory Island werden Träume wahr.